Die Streiksaison in Deutschland ist planbar wie das Wetter: Im Herbst laufen die Tarifverträge aus, im Winter wird gestreikt, im Frühjahr geeinigt. Wer regelmäßig fährt, weiß: Es kommt immer wieder. Der DB Navigator zeigt Streik-Notfahrpläne meistens erst verspätet an — die besseren Infoquellen sind bahn.de/aktuelles und die X-Accounts von @DB_Presse, GDL und EVG. Hier der ehrliche Überlebensplan. Für die normalen Fahrgastrechte bei Verspätung siehe unseren Verspätungs-Ratgeber.
Streik-Schnellcheck: was tun, wenn der Zug ausfällt?
Sofortmaßnahmen bei Streik
- Live-Updates in DB Navigator und auf bahn.de/aktuelles prüfen
- Kein neues Ticket kaufen — Zugbindung ist bei Streik aufgehoben, altes Ticket gilt
- Original-Ticket und Screenshot aufbewahren (für mögliche Fahrgastrechte-Erstattung)
- Alternative Verbindung suchen — Notfahrplan oder Umleitung über andere Strecke
- Wenn nichts geht: volle Erstattung über DB Navigator anfordern, du bekommst das Geld schnell zurück
GDL vs. EVG: Wer streikt wofür?
Zwei Gewerkschaften sind für den Großteil der Streiks verantwortlich — und sie haben unterschiedliche Reichweiten:
- GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer): Lokführer, Zugbegleiter. GDL-Streiks legen direkt Züge lahm — ICE-Hauptstrecken werden über den Notfahrplan priorisiert, RE/RB fallen oft komplett aus. Typisch: 2-4 Streikwellen pro Tarifrunde, 12-35 Stunden lang.
- EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft): Infrastruktur (Stellwerke, Werkstätten), Verwaltung, teilweise Zugpersonal. Wirkung oft indirekt — der Zug fährt, aber die Signalanlage hat niemanden, der sie bedient. Häufiger Warnstreiks (24 Stunden), selten tagelang.
Im schlimmsten Fall streiken beide zeitlich überlappend. Die typische Hochsaison liegt zwischen Oktober und März, wenn die Tarifverträge auslaufen.
Notfahrplan — was tatsächlich fährt
So sieht ein typischer Streik-Notfahrplan aus
- • ICE-Hauptstrecken: ca. 20-30 % des normalen Angebots (Berlin–Hamburg, Frankfurt–München priorisiert)
- • Regionale IC/EC: größtenteils Ausfall
- • RE/RB: je nach Bundesland 0-30 % — manche Privatbahnen fahren normal (kein GDL-Vertrag)
- • S-Bahn: S-Bahnen in Ballungsräumen laufen oft eingeschränkt (S-Bahn Berlin gehört zur DB und streikt mit; Münchner S-Bahn ähnlich)
- • U-Bahn, Tram, Bus: fahren normal (andere Arbeitgeber, nicht GDL/EVG)
Die Kulanzregel: Sparpreis-Zugbindung fällt weg
Wichtig für Sparpreis-Kunden
Die DB hebt bei angekündigten Streiks die Zugbindung für Sparpreise komplett auf. Du kannst dein Ticket auch an einem anderen Tag (oft bis 7 Tage danach) oder in einem anderen Zug nutzen. Diese Regelung wird offiziell als „Kulanzregelung Streik" bekanntgegeben — auf bahn.de/aktuelles suchen.
Ohne diese Regel wäre ein Sparpreis bei Streikausfall „verfallen" — mit ihr ist er mindestens so flexibel wie ein Flexpreis für die Streiktage. Ein echter Vorteil, den viele nicht kennen und deshalb unnötig neue Tickets kaufen.
Erstattungsansprüche bei Streik
Volle Erstattung, wenn du gar nicht fährst
Ticket online stornieren (DB Navigator → Meine Reise → Stornieren). Volle Erstattung innerhalb weniger Tage. Die DB zahlt bei Streiks schnell, weil die Anträge massenhaft kommen und sie den Prozess vereinfacht.
Umbuchen auf spätere Fahrt — kostenlos
Dein Sparpreis gilt auch an anderen Tagen (meist 7 Tage vorher/nachher), auch in anderen Zügen. Einfach einsteigen, Schaffner das Ticket und die Streik-Info zeigen. Wenn du vorher umbuchen willst: DB Navigator → Meine Reise → Umbuchen.
Trotzdem fahren — Fahrgastrechte bei Verspätung
Wenn du im Notfahrplan fährst und ≥ 60 min Verspätung am Ziel hast: 25 % Erstattung. Ab 120 min: 50 %. Streiks gelten nicht als höhere Gewalt. Antrag wie üblich über das Fahrgastrechte-Formular.
Alternativen während des Streiks
- • FlixTrain: privater Fernverkehrsanbieter, nicht GDL — fährt während DB-Streiks weiter (wenn auch ausgebucht)
- • FlixBus, BlaBlaCar Bus: teurer, aber zuverlässig während DB-Streiks
- • Privatbahnen im Nahverkehr: Metronom, ODEG, Vlexx fahren oft normal (kein GDL-Vertrag)
- • Carsharing / Mietwagen: für Kurzstrecke oft akzeptabel, bei Streik-Peaks aber rasch ausgebucht
- • Fernbahn-Mitfahrzentralen (BlaBlaCar): oft die kurzfristigste Option
Baustellen: anders als Streik
Baustellen sind langweilig, aber fair: Die DB kündigt große Bauarbeiten mindestens 6 Monate vorher an, und der angepasste Fahrplan ist längst bei der Ticketbuchung eingerechnet. Typische Folgen:
- Umleitungen: Dein Zug fährt eine andere Strecke, Ticket bleibt gültig
- Schienenersatzverkehr (SEV): Bus statt Zug auf der Teilstrecke — meist unangenehm, aber planbar
- Längere Fahrzeit: in den Fahrplan eingepreist
- Nachtsperrungen: Einige Strecken sperren zwischen 22:00 und 05:00 für Bauarbeiten
Bei Baustellen-bedingten Verspätungen: Fahrgastrechte-Regel greift nicht, weil die Verspätung ja im Plan-Fahrplan schon eingearbeitet ist. Nur wenn du über die veröffentlichte Fahrzeit hinaus Verspätung hast, greift die 25-%-Regel ab 60 min.
Streiksaison planen — pro Jahr realistisch einplanen
Wer beruflich mit der Bahn reist, sollte mit mindestens 2-4 Streiktagen pro Jahr rechnen. Praktische Vorkehrungen:
- • Wichtige Termine nie am letzten ICE planen — ein Puffer-Termin vor und nach
- • FlixTrain-App parallel — alternative Buchung innerhalb von Minuten
- • Tarifrunden-Timing kennen: Oktober–März die Risiko-Saison
- • Flexibilität zahlen: Für Business-kritische Fahrten lohnen sich Flexpreise trotz höherem Preis
- • Deutschlandticket als Backup: Wenn der ICE streikt, fährst du notfalls mit RE + SEV-Bus
Notfall-Alternative finden
Während eines Streiks brauchst du schnelle Infos zu allen verfügbaren Optionen. Omio vergleicht Bahn, Bus und Flug auf einen Blick — und bucht in wenigen Minuten.
Alternativen vergleichenMarkenhinweis: Trainvave ist ein unabhängiges Informationsportal und steht in keiner geschäftlichen Verbindung zu Deutsche Bahn AG, ÖBB oder anderen Bahnunternehmen. Alle genannten Markennamen, Produktnamen und Logos (einschließlich ICE, IC, EC, DB, Deutsche Bahn) sind Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber und werden hier ausschließlich zu Informationszwecken genutzt.